Google PageSpeed 100

Lesedauer: 9 Minuten

 

Warum der Google PageSpeed wichtig ist?

 

Wer von euch bis heute dachte, dass die Suchmaschinenoptimierung ausschließlich aus On-Page- und Off-Page-Maßnahmen besteht, der sollte seinen Fokus einmal mehr auf die technische Komponente des Google PageSpeed richten, um von Google geliebt zu werden.

In letzter Zeit treibt nämlich in einigen Online-Marketing-Abteilungen ein altbekanntes Gespenst sein Unwesen. Der Google PageSpeed Insight. Jeder Suchmaschinenoptimierer kennt es, aber nur die wenigsten trauen sich, ihm die Stirn zu bieten.

Gehörst auch du zu den 30% aller Webseitenbetreibern, die WordPress als Content-Management-System im Unternehmen oder für private Projekte nutzen? Hast du dich bereits mit deinem WordPress PageSpeed beschäftigt? Weißt du, wie du deinen WordPress PageSpeed auf die Überholspur bringst?

In Anlehnung an einen Beitrag meines ehemaligen Kollegen Fabian Praschl (WordPress beschleunigen: PageSpeed Optimierung für WordPress ohne Programmierkenntnisse) möchte auch ich noch einmal anhand von fünf eigenen Webseiten aufzeigen, wie du deinen WordPress PageSpeed mit ganz einfachen Tricks auf das nächste Level bringst.

Eines darf ich dir an dieser Stelle bereits verraten: Du wirst von den Ergebnissen überrascht sein. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack, wie ich es geschafft habe den Google PageSpeed Score für eine meiner Nischenseite deutlich zu optimieren.

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Google PageSpeed 100 erreichen

Die wichtigsten Fakten zum Google PageSpeed im Überblick:

 

1. Crawling-Kontingent des Google-Bots

Ein Faktor, der mir selbst lange nicht so klar gewesen ist und den ich auf Ryte in dem Artikel „PageSpeed Optimierung: Wie kann ich die Ladezeit meiner Webseite verbessern?“ entdeckt habe, ist der, dass der Google Bot über ein bestimmtes Crawling-Kontingent verfügt. Dieses ist weiter von der Ladegeschwindigkeit deiner Webseite abhängig.

Je langsamer die Ladezeiten deiner Webseite sind, desto oberflächlicher ist das Crawling. Somit können kürzere Ladezeiten dazu beitragen, dass mehr Content bei Google indexiert wird. Deshalb existiert auch der Begriff der guten Crawlabilty.

 

2. User Experience, Time on Site, Bounce Rate

Wie wir alle wissen, ist Google bestrebt, dass der User so schnell wie möglich das passende Ergebnis zu seiner Suchanfrage findet. Schnelle Ladezeiten führen somit zu einem besseren Nutzererlebnis.

Aus meiner Sicht ist dabei die Ladezeit allerdings nur ein indirekter Rankingfaktor. Vielmehr ist es so, dass die Ladezeit Auswirkungen auf die KPIs – wie z.B. die Verweildauer und die Absprungrate – hat. Diese werden von Google natürlich analysiert und im Ranking einer jeden Seite berücksichtigt. Hier kommt es aber dann primär auf die subjektive Wahrnehmung des Users an.

Je länger die Ladezeit, desto eher wird ein User geneigt sein, die Webseite wieder zu verlassen. Dadurch sinkt natürlich die Verweildauer und die Bounce-Rate schnellt in die Höhe. Diese Negativsignale werden dann von Google interpretiert und entsprechende Webseiten in den Suchmaschinenergebnissen (SERP’s) weiter hinten platziert.

 

3. Conversion-Rate

Die Auswirkungen der Ladegeschwindigkeit kann vor allem anhand von Onlineshops sehr gut demonstriert werden. Amazon und Walmart sind hier Paradebeispiele.

So heißt es z.B. auf t3n in dem Beitrag „Onlineshops: Mehr Umsatz mit kürzeren Ladezeiten“ „Amazon büßte bereits vor über zehn Jahren ein Prozent des Umsatzes bei 100 Millisekunden längerer Ladezeit ein.“ Und auch Walmart konnte allein durch die Reduzierung der Ladezeit um eine Sekunde seine Conversion-Rate um zwei Prozent steigern.

Wie optimiere ich den WordPress PageSpeed in der Praxis?

Allgemeine Tipps von mir zur Verbesserung des WordPress PageSpeed

Gerade als Neuling in WordPress ist man oft beeindruckt von den vielen Möglichkeiten, die einem – in Form von Plugins und Themes – angeboten werden, um bestimmte Prozesse und Funktionen in WordPress zu implementieren.

Mit keinem anderen Content Management System können individuelle Anforderungen so einfach umgesetzt werden, wie mit dem WordPress CMS. Doch auch hier gibt es einige Tücken, die vermieden werden sollten.

 

Auswahl des richtigen WordPress Themes

Allein mit der Theme-Auswahl für WordPress entscheidet sich schon im Vorfeld, welcher Rahmen für die Ladegeschwindigkeit bzw. den WordPress PageSpeed gesetzt wird.

Während die Werte in Google PageSpeed Insights für den Desktop-Bereich zumeist durch entsprechende Maßnahmen auf über 90% gebracht werden können, kann das falsche Theme im Mobile-Bereich drastische Auswirkungen auf den PageSpeed haben.

Es gibt schlichtweg Themes, wo gerade im mobilen Bereich ein PageSpeed von 60 bis 80 das absolute Maximum ist.

Deshalb sollte man sich im Vorfeld ganz genau überlegen, durch welche Module das Theme gekennzeichnet sein sollte, welche Prozesse umgesetzt werden müsse und ob Anforderungen evtl. auf das Wesentliche reduziert werden können.

Alternativ bietet sich die Möglichkeit, sogenannte SEO-Themes zu verwenden. Gerade für meine Affilaite-Marketing-Projekte verwende ich häufig das affiliatetheme.io, welches sich ideal in Verbindung mit dem Amazon Partner-Programm eignet und zudem nur noch wenige Optimierungsmaßnahmen hinsichtlich des WordPress PageSpeed erfordert.

 

WordPress Plugins

30, 40 oder sogar 60 Plugins sind häufig keine Seltenheit. Gerade historisch gewachsene Infrastrukturen in Unternehmen können so innerhalb weniger Jahre deutliche Defizite im Bereich Technical SEO – insbesondere im PageSpeed – aufweisen.

In den Plugins liegt meiner Meinung nach auch eine große Gefahr, da der Webseitenbetreiber dazu geneigt ist, alle Probleme ganz einfach mit einem Plugin zum Nachteil der Performance zu lösen. Für mich als ideal hat sich eine maximale Anzahl von 15 bis 20 WordPress-Plugins herausgestellt. Im Idealfall sogar nur zehn.

Reduzierung der Bildgröße für WordPress

Ein ganz entscheidender Faktor, der für die Ladezeit einer Webseite ausschlaggebend ist, ist die Bildgröße. Diese sollte bereits beim Aufbau sowie der Strukturierung der Webseite berücksichtigt werden. Auf großflächige Bilder sollte man als Webseitenbetreiber verzichten. Gemeint sind Banner mit einer großen Auflösung in HD oder 4K. Ohnehin halte ich große Banner im Header-Bereich nicht mehr für zeitgemäß. Dies gilt sowohl aus technischer Sicht als auch in Bezug auf die User Experience.

Daneben spielt natürlich auch das Dateiformat eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schon allein die Entscheidung, ob ein Bild im PNG- oder im JPG-Format dargestellt werden soll, ist von Relevanz. Das PNG-Format sollte für Bilder nur verwendet werden, wenn die Transparenz benötigt wird – also bei aufwendigen Bildern, wo auf die Dateigröße keine Rücksicht genommen wird. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Die Dateigröße eines einzelnen Bildes sollte zwischen 20 und maximal 50 KB liegen. Insgesamt sollten die Ressourcen einer Webseite nicht größer als 500 KB sein.

Zur Reduzierung greife ich z.B. bei meinen privaten Projekten auf Photoshop zurück. Im ersten Schritt wähle ich das Format – entweder PNG oder JPG – aus. Im Zeiten Schritt reduziere ich die Qualität auf bis zu 30 %.

Während die Dateikomprimierung bei einem PNG verlustfrei ist, muss ich bei einem JPG deutlich vorsichtiger vorgehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Bilder mit viel Struktur in Photoshop nur auf 40% bis 60% der Qualität reduziert werden können, während Bilder mit wenig Struktur teilweise bis zu 30% der Qualität reduziert werden können.

Dann erfolgt der Upload meiner komprimierten Bilddatei auf den Webserver bzw. in WordPress. Unter Zuhilfenahme des WordPress Plugins EWWW Image Optimizer sowie der dort integrierten Stapelverarbeitung lasse ich sämtlich Bilddateien automatisch optimieren.

Der EWWW Image Optimizer sorgt zudem dafür, dass die von Google gewünschten, modernen Bildformate, wie z.B. WebP verwendet werden. Bestimmte Browser-Versionen, wie z.B. Google Chrome, Firefox oder Opera, unterstützen in den neuesten Versionen das WebP-Format, wodurch Bilder an diese Browser dann bevorzugt deutlich kleiner ausgeliefert werden.

Schon allein durch diese Anpassungen können Ladezeiten um ein Vielfaches reduziert und die Werte bei Google PageSpeed Insight deutlich verbessert werden.

Einbindung von Videos

Ist der Besucher erst einmal auf der Webseite, möchte man natürlich die Verweildauer durch die Einbindung von Videos erhöhen. Natürlich kann ein Video im Header-Bereich sehr gut aussehen – keine Frage. Um den WordPress PageSpeed jedoch auf einem hohen Niveau zu halten, sollte man dringend darauf verzichten, mehrminütige Videos in voller Länge auf dem eigenen Server hochzuladen und einzubinden.

Videos auf der Webseite einzubinden, die größer als 5 MB sind, sollte man vermeiden. Stattdessen empfiehlt es sich, einzelne Videosequenzen von maximal 5 bis 10 Sekunden Länge darzustellen oder stattdessen Bilder zu verwenden, über die auf das Video als externe Ressource verlinkt wird. Der Upload der Videos erfolgt dann über Youtube oder Vimeo. Die Einbindung von Videos auf einer Webseite, die 10, 20, 50 oder sogar mehrere 100 MB groß sind, ist ein absolutes No-Go.

Entfernung unnötiger WordPress Features

Ebenfalls konnte ich feststellen, dass unnötige von WordPress angebotene Features, wie z.B. die interne Seitensuchleiste, externe Webfonts sowie Google Adsense-Anzeigen, einen negativen Einfluss auf den Google PageSpeed haben können. Festgestellt habe ich das konkret beim affiliatetheme.io sowie dem Divi-Theme in WordPress.

Hierbei handelt es sich natürlich um zusätzliche eingebundene Schriftarten über CSS sowie um JavaScripte von externen Plattformen, wobei letztere das Rendering der Seite beeinträchtigen. Google moniert sozusagen die eigene, extern geladene Werbung, mit der letztlich eine Webseite monetarisiert wird.

Diese 4 Bonus-Tipps bringen Deinen WordPress Pagespeed auf das nächste Level

Um den Google PageSpeed Score zu nahezu 100% erfolgreich zu optimieren, bedarf es – je nach Server und Infrastruktur – mal mehr und mal weniger Aufwand.

Während ich bei meinen privaten Projekten die Optimierung innerhalb weniger Minuten, selten mehr als eine Stunde vornehme, da ich bereits bei Auswahl des WordPress Themes darauf achte, dass dieses sich in Bezug auf den PageSpeed Score positiv verhält, kann es natürlich bei aufwendigeren Projekten dazu kommen, dass die Optimierung des WordPress PageSpeed mehrere Tage oder ein paar Wochen andauert.

Doch warum kann die PageSpeed Score-Optimierung solange andauern? Das Geheimnis liegt letztlich darin, dass 4 weitere sowie grundlegende Tricks gibt, um den Google PageSpeed Score erfolgreich zu optimieren:

  1. Aktivierung des Server-Caching
  2. Das Browser-Caching aktivieren
  3. Verringerung der Anzahl der HTTP-Requests
  4. Komprimierung von Dateien, wie z.B. HTML, CSS und JavaScript

Diese vier PageSpeed-Faktoren müssen natürlich perfekt aufeinander abgestimmt werden. Je nach Umfang des bestehenden WordPress CMS sowie der Webserver-Struktur können diese Optimierungsmaßnahmen zu einer echten Herausforderung werden.

Gerade durch Reduzierung im Bereich der HTML-, CSS- oder JavaScript-Dateien können bei einer falsch abgestimmten Konfiguration Fehler auftreten, was zu mehr oder weniger ausgeprägten Darstellungsfehlern auf der Webseite führt.

Um die ideale Konfiguration der vier Faktoren herauszufinden, müssen daher nach jeder getätigten Einstellung die gesamten Prozesse, die auf CSS, HTML und JavaScript basieren nachhaltig getestet werden, um durch Optimierungsmaßnahmen verursachte Fehler auszuschließen.

Reduzierung der HTTP-Requests und Komprimierung von Dateien

Wenn es darum geht, den PageSpeed Score für WordPress zu optimieren, wirst Du Dich ebenfalls auf die Reduzierung der Requests konzentrieren. Um eine Webseite vollständig darzustellen, werden ganz unterschiedliche Dateien, wie z.B. JavaScripts, CSS-Dateien, Videos, Bilder, Schriften oder sonstige Dateien benötigt.

Wird von einem Webserver die jeweilige Datei angefordert, handelt es sich bei diesem Vorgang um einen Request. Dabei ist beachten, dass jeder Request Zeit benötigt und somit die Ladezeit der Webseite verzögert.

Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass Google selbst die Reduzierung der Anzahl der Requests empfiehlt. Das ist jedoch nicht immer umsetzbar. Natürlich behindern Requests das Rendering der Seite beim Ladevorgang.

Jedoch ist es so, dass nicht jeder Request so einfach entfernt werden oder erst am Ende der Seite gestellt werden kann. Manchmal ist dies schon allein aufgrund der Darstellungsform der Webseite nicht möglich, sodass es zwangsweise zum Abzug von Punkten im Google PageSpeed Insights Score kommt.

Die einfachste Möglichkeit, den von Google vorgeschriebenen Anforderungen zu entsprechen ist auch hier die Implementierung entsprechender Plugins.

Hierbei handelt es sich um Dateien, die dazu benötigt werden, eine Webseite vollständig aufzubauen. Für WordPress empfiehlt sich Autoptimize, W3 Total Cache sowie Borlabs Cache. Mit Hilfe dieser Plugins können gerade Einsteiger sehr schnell gute Resultate erzielen und den WordPress PageSpeed deutlich steigern, da z.B. CSS- und JavaScript-Dateien reduziert bzw. zusammengefasst werden.

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